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Wie der Giebichenstein seinen Namen erhielt

Im Norden

der Stadt Halle erhebt sich ein steiler Felsen über das Tal, in dem die Saale fließt. Seit alters her wird dieser Felsen „Giebichenstein“ genannt. Noch heute ist hier die Ruine der Oberburg Giebichenstein zu sehen, die Unterburg wird von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle genutzt.

Doch wie erhielt der Felsen seinen Namen?

Vor mehr als zweitausend Jahren zog der römische Feldherr Drusus mit seinen Truppen durch Germanien, um das Land zu erobern. Sein Weg führte ihn auch an das Ufer der Saale, die sich wild und ungezähmt den Weg durch die Landschaft bahnte.
Am Fuße eines Felsens ließ Drusus das Heerlager aufrichten und stieg auf den Felsen. Dort schaute er weit ins Land und suchte nach einem günstigen Ort, eine Brücke über den Fluss zu bauen.
Da erschien ihm eine riesige Frauengestalt. Zornigen Blickes und mit weithin hallender Stimme rief sie Drusus zu:

„Geh weg vom Stein!
Dein Leben ist mein,
kommst nimmer heim!“

Diese Worte erschreckten den Feldherrn. Er gab sein Vorhaben auf. Am nächsten Morgen ließ er das Heerlager abbrechen und zog hastig mit seinen Soldaten von der Saale weg. In seiner Eile hetzte er sein Pferd über Stock und Stein, bis es stürzte.
Drusus brach sich bei dem Sturz ein Bein. Trotz aller Bemühungen seines Leibarztes wollte die Wunde nicht heilen. Nach dreißig Tagen starb Drusus an den Folgen seiner Verletzung.
So hatte die Riesin Recht behalten: Drusus kehrte nicht in seine Heimat zurück.
Ihrer Aufforderung „Geh weg vom Stein!“ verdankt der Felsen seinen Namen „Giebichenstein“.

Wahrscheinlicher erscheint die Erklärung der Wissenschaftler, dass der Name des Felsens auf germanische Stämme zurückgeht, die hier siedelten und ihn als „Fels des gebefreudigen Wotan“ bezeichnet haben.

 

Burg Giebichenstein, Carl Wilhelm Arldt, Lithographie von 1848

Burg Giebichenstein, Carl Wilhelm Arldt, Lithographie von 1848

 

 

 

Wie die Salzquellen entdeckt wurden

Einst,

als es Halle noch nicht gab und die Umgebung von kleinen Siedlungen zerschnitten wurde, führte ein Schweinehirt die Schweine seines Dorfes auf die Weide. Das Dörfchen nannte sich Dobrebora. In der Nähe griff ein Fluss mit seinen Armen um das Land, den wir noch heute als die Saale kennen.

 

Der laue Sommertag verführte den Hirten zum Träumen, während Vögel ringsum zwitscherten und die Schweine sich am fetten Gras gütlich taten und jeden feuchten Fleck zum Suhlen nutzten. Zum Abend hin wollte der Hirt die Schweine wieder ins Dorf treiben und bemerkte, dass eines der Schweine im Lichte der untergehenden Sonne glitzerte.

Verwundert rieb sich der Hirt die Augen, doch das Glitzern blieb. Da besah er sich das Schwein genauer und stellte fest, dass es über und über mit einer feinen weißen Kruste bedeckt war. Vorsichtig brach er die Kruste und zerrieb sie zwischen den Fingern.

Und schließlich, auf dem Heimweg, noch immer über das Glitzern staunend, leckte er seine Finger ab. Ui, schmeckte das salzig!

Aufgeregt berichtete er im Dorf von seinem Erlebnis und am nächsten Tag zog er mit den Männern auf die Weide hinaus. Dort suchten alle nach der Stelle, an welcher sich das Schwein gewälzt hatte und fanden schließlich eine Solelache.

An diesem Ort gruben sie einen Brunnen und schöpften die Sole ab, um sie zu Salz zu versieden. Dieser erste und älteste Brunnen ist der Gutjahr-Brunnen gewesen, der auch der Wendische Brunnen hieß, weil die Leute, die damals in der Region lebten, Wenden genannt wurden.

 

Auch an anderen Stellen in der Nähe wurden Solequellen gefunden und noch mehr Brunnen gegraben.
Salz war damals selten und kostbar. So dürfen wir vermuten, dass die Dorfbewohner bald zu einigem Wohlstand gelangten. Davon zumindest zeugt die Tatsache, dass später aus dem Dorf Dobrebora die Stadt Halle wurde.

 

Der Deutsche Brunnen in einer zeitgenössischen Abbildung (um 1670)

Der Deutsche Brunnen in einer zeitgenössischen Abbildung (um 1670)

 

Bildquelle: Johann Christoph von Dreyhaupt, Pagus Neletici et Nudzici Band 1, Halle, in Verlegung des Waysenhauses, 1755

 

 

Wie Halle verschenkt wurde

Nachdem die Orte Halle und Giebichenstein im Jahre 908 den andauernden Überfällen der Ungarn zum Ofer gefallen waren, wurde es etwas ruhig um die Gegend.

Der letzte karolingische Herrscher Ludwig das Kind war nicht daran interessiert, gegen die Ungarn zu kämpfen, obwohl sie seinen Herrschaftsbereich massiv plünderten. Der ihm nachfolgende Konrad I. unternahm ebenfalls nichts.

 

Heinrich I. 

 

So wurde dem Herzog der Sachsen, der 919 in Fritzlar zum König über Ostfranken erwählt wurde und sich Heinrich I. nannte, ein schweres Erbe übergeben.

Heinrich I. musste ohnmächtig mit ansehen, wie die Ungarn in den Jahren 924 und 926 sein Reich verheerten. 926 gelang es wenigstens, einen der ungarischen Fürsten gefangen zu setzen und von den Ungarn einen neunjährigen Waffenstillstand zu erhandeln. Jedoch mussten Tribute gezahlt werden.

Heinrich I. war sich dessen bewusst, dass 9 Jahre keine lange Zeit sind und dass sein Reich nach wie vor bedroht war.

Deshalb berief er im November 926 einen Hoftag zu Worms ein und gab Maßnahmen zur Ungarnabwehr bekannt; er erließ seine Burgenordnung.

Sie legte fest, dass bereits vorhandene Burganlagen ausgebaut und Versammlungsplätze ummauert werden sollten. In der Folge wurden auf vielen dieser ursprünglichen Versammlungsplätze Burgen aufgeführt.

Ziel dieser Maßnahmen sollte es sein, die Wehrfähigkeit der Orte zu steigern oder zu erneuern und dem Volk eine Fluchtmöglichkeit vor dem Ansturm von Feinden zu geben.

Ich halte es durchaus für denkbar, dass infolge dieser Burgordnung die Alte Burg Giebichenstein, die wohl auf dem Gelände des heutigen Amtsgartens stand, neu befestigt und ausgebaut wurde. Ist vielleicht in dieser Zeit schon auf dem Porphyrfelsen, auf dem später die Oberburg entstand, ein Turm errichtet worden? Dann hätten die Bewohner des Ortes rechtzeitig vor Gefahren gewarnt werden und Zuflucht auf der Burg suchen können.

Burg Giebichenstein - Blick auf die Oberburg

Burg Giebichenstein – Blick auf die Oberburg

 

Otto I.

 

Als der zweite Sohn Heinrichs I., Otto I., seinem Vater am 07. August 936 auf den ostfränkischen Thron folgt und in der Aachener Pfalz vom Erzbischof Hildebert von Mainz gekrönt und gesalbt wird, steht ihm wieder ein halbwegs wehrfähiges Reich zur Verfügung.

Ärger machen ihm jedoch die Adligen seines Reiches, die laut Überlieferung selbst den Thron anstrebten oder aber von Otto empfindlich durcheinander gewürfelt worden waren. Da streiten sich die Geister. Jedenfalls gab es reichlich Hauen und Stechen.

Otto I. hat sich im Laufe der Jahre viele Feinde gemacht und begann etwa ab 955 – nach der Schlacht auf dem Lechfeld – mit der Konsolidierung seines Reiches. Eine Stütze stellte dabei die Reichskirche dar. Mithilfe zahlreicher Schenkungen verlieh er ihr mehr Bedeutung und  auch königliche Herrschaftsrechte.

Nun hatte Otto schon ein Jahr nach seiner Krönung am 21. September 937 das Mauritiuskloster zu Magdeburg begründet und erhöhte so den kirchlichen Rang der Stadt.

Stifterbild aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeinplatten. Otto I. übergibt den Dom an Christus.

Stifterbild aus der Gruppe der Magdeburger Elfenbeinplatten. Otto I. übergibt den Dom an Christus.

 

Im Laufe der Jahre erhielt dieses Kloster immer wieder Schenkungen von Otto. Am 29. Juli 961 wurde den Gütern des Mauritiusklosters unter anderem auch der Ort Giebichenstein einverleibt mit den umliegenden Ländereien und den Einkünften aus dem Zehent. Die erwähnten Ländereien schlossen wohl das Örtchen Halle mit ein.

 

Dieses Datum begründete die 1.000-Jahr-Feier der Stadt Halle im Jahre 1961.

 

Otto I. wird am 2. Februar 962 von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gekrönt. Zur Bekräftigung der Zusammenarbeit zwischen Kaiser und Papst erhebt Papst Johannes XII. am 12. Februar 962 das Mauritius- oder Moritzkloster in Magdeburg zum Erzbistum.

Jedoch ist Kaiser Otto der Große etwas zu gierig und verlangt zu hohe Privilegien von Johannes XII., der daraufhin auf einer Synode Ende des Jahres 963 die Beschlüsse der vorigen Synode aufheben ließ. Magdeburg war sein Erzbistum wieder los.

Am 11. April 965 bestätigt Otto I. die Schenkung der Burg Giebichenstein und ihrer Salzquelle an das Moritzkloster Magdeburg.

Bei der hier erwähnten Salzquelle handelt es sich mitnichten um die hallischen Solebrunnen, sondern um eine unmittelbar zum Ort Giebichenstein gehörige Salzquelle.

Bei Johann Christoph von Dreyhaupt klingt das so:

„Diese Saltzquellen, die hier der Kayser mit Giebichenstein an die Kirche zu Magdeburg verschencket, werden von den Scribenten insgemein vor die Hallischen gehalten; weil man vormals in dieser Gegend von keinen andern Saltzquellen als den 4 Saltzbrunnen im Thal zu Halle gewust. Es ist aber diese Meynung irrig, denn der Kayser redet hier von der Saltzquelle, die zu Giebichenstein gehöret, urbem Giuiconstein cum Salsugine ejus heist es in dem Diplomate, und ist diese Quelle, die so viel hundert Jahr verborgen gewesen und dadurch aus dem Gedächtniß der Menschen kommen, zu unsern Zeiten wieder entdecket worden. Dann als Ao. 1702 ein Cancellist, Namens Jonas Ischner, beym Spaziergehen an der Landstrasse von Halle nach Trotha im Grunde zur lincken Hand bey dem Giebichensteinischen Rabenstein von ohngefehr eine Menge Saltzkraut Kali gewahr worden, und bey dem Nachsuchen gesaltzenes Wasser verspüret, hat er solches bey der Königl. Cammer angezeiget, da denn nach dem Quell gesuchet, und ein ausgezimmerter zugebühneter Saltzbrunnen angetroffen worden, in welchen man das Zimmer-Schrot noch ganz frisch und gut, und auf dem Grunde beym Ausräumen einige Hirnschädel von Menschen-Köpfen gefunden. Die Sole ist 4 löthig gewesen, und einige Jahre auf dem Schlosse zu Giebichenstein versotten worden; davon hinten ein mehreres vorkommen wird.“

Im Jahre 968 wird das Moritzkloster zu Magdeburg endlich zum Erzbistum ernannt. Ottos Wunsch hat sich erfüllt.

Am 04. Mai 973 erliegt Otto I. in Memleben (wie schon sein Vater) einem Schlaganfall und wird im Magdeburger Dom beigesetzt.

 

Otto II. 

 

Sein Sohn Otto II., der schon seit Weihnachten 967 als Mitkaiser fungierte, übernahm nun die Amtsgeschäfte und bestätigte in einer Urkunde am 04. Juni 973 die Schenkungen, Privilegien und Freiheiten seines Vaters an das Erzstift Magdeburg, darunter Giebichenstein, Halle und Radewell:

„Pagum igitur seu regionem Neletici nominatam in orientali parte Sale fluminis sitam, in qua ciuitas Giuikenstein et Dobrogora et Rodibile habentur, cum salina sua et omnibus appendiciis vel utilitatibus quibuscunque, sicut beate memorie pius genitor noster ex suo proprio in jus et proprietatem sancti Mauritcii martiris liberaliter obsulit.“

Mit „Dobrogora“ ist die Stadt Halle gemeint. Dieser Name wurde dem Ort von den früher hier siedelnden Slawen gegeben.

 

Otto III.

 

Kaiser Otto III., erst 7-jährig, schenkt dem Erzbistum Magdeburg am 20. Mai 987 den Zoll und die Münze zu Giebichenstein.

 

Johann Christoph von Dreyhaupt schreibt in seiner Chronik, dass Halle schon von Kaiser Otto II. das Stadtrecht verliehen worden wäre, welches jedoch weder durch Urkunden noch durch Annalen belegt werden kann.

Ganz abwegig ist der Gedanke jedoch nicht, bildete sich doch während der ottonischen Regierungszeit die Fernhandelssiedlung südöstlich des Thales aus. Mittelpunkt dieser Siedlung war der Alte Markt, an dem die Rhein- und Frankenstraße von Westen mit der nördlichen Meideborgischen (Magdeburgischen) Straße und der von Süden kommenden Regensburger Straße zusammentrafen.

Ostwärts dieses kleinen Platzes lag die Michaelskapelle, die älteste Pfarrkirche der Stadt. Ihr gegenüber stand das älteste Rathaus. Ansonsten war der Markt locker von Ritterhöfen umgeben, die meist durch Mauern oder Türme befestigt waren und so zum Schutz des Handelsplatzes beitrugen. Zusätzlich wurde das Areal mit einer Mauer versehen, von der noch ein Stück zwischen Schmeerstraße und Großer Märkerstraße erhalten sein soll.

Sind in diesem Mauerstück Steine der alten Stadtmauer verbaut worden?

Sind in diesem Mauerstück Steine der alten Stadtmauer verbaut worden?

 

Die Kaufleute, die hier siedelten, waren die ersten Pfänner bzw. Salzjunker des Ortes. Es liegt nahe, dass Halle schon zu dieser Zeit das Stadtrecht besaß, da ja auch ein Marktrecht vorhanden war.

Mit der ottonischen Stadtbefestigung konnte der Handelsplatz den vielfachen Bedrohungen durch plündernde Truppen und Aufständische trotzen. Und Halle wuchs und gedieh…

 

Quelle: Johann Christoph von Dreyhaupt, Pagus Neletici et Nudzici Band 1, Halle, in Verlegung des Waysenhauses, 1755

Die Karolinger in Halle

Als Karl der Große sein Reich vergrößerte und die „barbarischen“ Sachsen mit Krieg überzog, weil sie seit Jahrzehnten seine Reichsgrenzen mit Raub und Plünderung überzogen, eroberte er auch den thüringischen Raum bis hin zur sogenannten Sorbischen Mark. Diese stellte eine Grenzzone zwischen dem Fränkischen Reich und den östlich davon siedelnden Sorben dar. Die Damen und Herren Wissenschaftler streiten sich noch heute um die genaue Lage der Limes Sorabicus; manche lokalisieren sie westlich der Saale.

Ich fürchte, hier irren die Forscher. Das fränkische Gebiet muss sich aus meiner Sicht bis hin zur Saale – und möglicherweise darüber hinaus nach Osten – ausgedehnt haben. Wie sonst wohl wäre zu erklären, dass Magdeburg und Halle zu militärischen Hauptstützpunkten erwählt wurden?

Und welchen Grund hätten wohl sonst die Franken für den Bau des Kastells „in orientalem partem Sala, ad locum, qui vocatur Halla“ – auf der östlichen Seite der Saale, bei einem Ort, der Halle genannt wird – gehabt?

 

Karl der Große macht sein Testament

 

Für den 06. Februar 806 beraumte Karl der Große eine Reichsversammlung in Diedenhofen (heute Thionville in Frankreich) an, bei der seine Söhne und die Großen des Reiches zugegen waren. Das dabei entstandene Dokument Divisio Regnorum, sein Reichsteilungsgesetz, erläutert den Zweck der Zusammenkunft: Karl der Große regelt seine Nachfolge. Somit darf das Reichsteilungsgesetz durchaus als Testament verstanden werden. Hierin teilt er das Fränkische Reich unter seinen Söhnen Pippin von Italien, Karl dem Jüngeren und Ludwig dem Frommen auf.

Karl dem Jüngeren fallen der fränkische Kernraum zwischen Loire und Rhein sowie die Neuerwerbungen zwischen Elbe und Donau zu.

Dieser macht auch gleich Nägel mit Köpfen und trägt den Slawenkönigen noch während seiner Kämpfe gegen die Sorben auf, zwei feste Kastelle zu bauen. Eines im Norden der Elbe, Magdeburg gegenüber, den anderen aber auf der Ostseite der Saale bei Halle. In den Reichsannalen (Annales regni Francorum) sieht das folgendermaßen aus:

„Theodonis palatio per Mosellam et Rhenum secunda aqua Noviomagum navigavit ibique sanctum quadragesimale ieiunium et sacratissimam paschae festivitatem celebravit. Et inde post non multos dies Aquasgrani veniens Karlum filium suum in terram Sclavorum, qui dicuntur Sorabi, qui sedent super Albim fluvium, cum exercitu misit; in qua expeditione Miliduoch Sclavorum dux interfectus est, duoque castella ab exercitu aedificata, unum super ripam fluminis Salae, alterum iuxta fluvium Albim. Sclavisque pacatis Karlus cum exercitu regressus in loco, qui dicitur Silli, super ripam Mosae fluminis ad imperatorem venit.” [1]

 

Und in der Chronik von Moissac (Chronicon Moissiacense) steht verzeichnet:

„Anno 806. Karolus imperator celebravit pascha ad Neumaga, et misit filium suum Karolum regem super Duringa ad locum qui vocatur Walada, ibique habuit conventum magnum. Et inde misit scaras suas ultra Albiam; ipse vero movit exercitum suum ultra Sala super Hwerenaveldo. Et tunc fuit interfectus Melito, rex superbus, qui regnabat in Siurbis; et postea remeavit Albia; et vastavit regions illas, et civitates eorum destruxit. Et ceteri reges ipsorum venerut ad eum, et promiserunt se servituri domno et pio imperatori, tradideruntque obsides, sicut ille volebat. Et mandavit eis rex Karolus aedificare civitates duas, unam ad aquilonem partem Albiae contra Magadaburg, alteram vero in orientalem partem Sala, ad locum qui vocatur Halla; deinde reversus est ad patrem suum in Francia. His diebus Albinus [qui et Alchuinus] diaconus in Francia claruit.” [2]

 

Diesem Auftrag verdanken wir die erste verbriefte Erwähnung der Stadt Halle für das Jahr 806 und damit mittlerweile mehr als 1.200 Jahre Stadtgeschichte. 🙂

 

Wo war das Kastell?

 

Über die genaue Lage des Kastells streiten sich die Wissenschaftler, noch dazu, weil bisherige Ausgrabungen keinerlei Anhaltspunkte lieferten. Man vermutet das Bauwerk auf den Anhöhen der Marktkirche, auf dem Martinsberg, in Giebichenstein oder auf dem Domplatzgelände.

Aus mehreren Gründen halte ich seine Lage auf dem heutigen Domplatzgelände für plausibel und stimme darin mit dem halleschen Heimatforscher Siegmar von Schultze-Galléra überein.

  1. Das Kastell sollte als zweiter – neben Magdeburg – Brückenkopf an der fränkischen Elbe-Saale-Linie dienen. Es musste also an einer strategisch günstigen Stelle errichtet werden.
  2. In den Chroniken ist für die Lage des Kastells ausdrücklich „Halla“ vermerkt, nicht „Gibikensten“. Gleichwohl existierte der Ort mit dem Götternamen und seinem Solquell bereits.
  3. Die alte Burg Giebichenstein (auf dem oberen Amtsgarten) weist keine Spuren für eine fränkische Nutzung auf, schon gar nicht für das Jahr 806. Hingegen finden sich Beweise für eine Nutzung in der Hermundurenzeit um den Beginn unserer Zeitrechnung bis ins 2. oder 3. Jahrhundert.
  4. Die Verteidigung der Heer- und Handelsstraßen wäre von Giebichenstein aus unmöglich gewesen. „Von Giebichenstein aus führt keine alte Straße nach Osten ins Land, es liegt abseits, ganz isoliert sogar von der Magdeburger Heer- und Handelsstraße (nach Norden).“ [3] – Auch andere alte Handelswege und für die Franken wichtige Heerstraßen führen nicht an Giebichenstein vorbei, sondern kreuzen sich im Siedlungskern Halles.
  5. Ein Standort des Kastells bei der Marktkirche oder auf dem Martinsberg hätte strategisch keinerlei Sinn gemacht und den hervorragenden Feldherrenqualitäten König Karls des Jüngeren widersprochen. In beiden Fällen wäre eine Sicherung des Übergangs über die Saale nicht realisierbar gewesen und das Kastell selbst ohne Schutz der umgebenden Landschaft.

 

Siegmar von Schultze-Galléra schreibt hierzu in den Hallischen Nachrichten Nr. 71 vom 25.03.1931:

„…Das Kastell hatte drei Aufgaben zu erfüllen: den Übergang über die Saale zu schützen, die Einfallspforte nach dem Osten zu bewachen und den Salzquell, das Hall, zu schirmen; es kann nur auf dem Gelände des Doms und der Residenz gelegen haben, das damals viel günstiger zur Kastellanlage war, lag doch die vorbeiführende Straße (spätere Klausstraße) fast auf dem Niveau des Saalespiegels. Fluss, Bruchland (Schlamm) und Talsenken schirmten das Kastell auf allen Seiten.“ [4]

Leider wissen wir nichts über die Gestalt des Kastells. Wir können nur vermuten, dass diese Holz-Erde-Befestigung wie allgemein üblich Mannschafts-, Wirtschafts- und Lagerräume sowie einen Wachturm umschloss.

Könnte das karolingische Kastell in Halle so oder ähnlich ausgesehen haben?

Könnte das karolingische Kastell in Halle so oder ähnlich ausgesehen haben?

 

Ich stelle mir dieses Kastell nicht als Burg im eigentlichen Sinne vor, sondern eher als nach römischem Vorbild errichtetes Militärlager. Um das Kastell herum bildete sich eine Siedlung, in der sich vermutlich das Begleitpersonal der Franken mit Werkstätten, Händlern und Wirtschaften niederließ. Vielleicht waren hier sogar die Familien der Soldaten untergebracht.

Sind die Franken irgendwann wieder abgezogen oder haben sie ihren Lebensmittelpunkt Halle behalten?

Etwa 100 Jahre, nachdem Karl der Jüngere den Auftrag zum Bau des karolingischen Kastells gab, wurde Halle im Jahre 908 von den Ungarn in einem ihrer zahlreichen Feldzüge zerstört. Möglicherweise fiel hierbei auch das Kastell dem Raubzug zum Opfer.

 

Quellen:
[1] – Annales Regni Francorum; www.thelatinlibrary.com
[2] – Chronicon Moissiacense; www.dmgh.de
[3] – Siegmar von Schultze-Galléra, Hallische Nachrichten Nr. 71 vom 25.03.1931
[4] – ebenda

Bildquelle: Projekthomepage der Grundschulen Langelsheim und Astfeld

Leute kommen – Leute gehen

Das Gebiet der heutigen Stadt Halle und seine Umgebung ist wohl schon seit Jahrtausenden ein bevorzugtes Siedlungsgebiet gewesen, lange vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Dies belegen urgeschichtliche Funde.

Auf dem Galgenberg im Norden Halles sind Spuren alt- und mittelsteinzeitlicher Jäger erkennbar.

Jungsteinzeitliche Bauern der Donaukultur besiedelten nachhaltig die Plätze um das heutige Landesmuseum, Trotha und Ammendorf. Sie drangen über Böhmen in dieses Gebiet ein und wurden nach den Bandverzierungen auf ihren Tongefäßen Bandkeramiker genannt.

Auch Schnurkeramiker hinterließen Spuren ihrer Siedlungen in den Brandbergen und der Dölauer Heide. Hier wurden 35 große Grabhügel geborgen.

Großsteingrab aus der Steinzeit; Bildquelle: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Großsteingrab aus der Steinzeit; Bildquelle: © Marco Barnebeck / PIXELIO

 

Diese recht starke Besiedlung zog sich bis in die ältere Bronzezeit (um 1.800 v.Chr.). Nach 1.500 v.Chr. nimmt die vorgeschichtliche Besiedlung des Gebietes ab.

Erst in der jüngeren Bronzezeit um 1.200 v.Chr. werden die Höhen des Giebichenstein wieder als Siedlungsraum genutzt. Nun wurde auch mit der Salzgewinnung im Tal (Wittekind) begonnen.
Der Salzhandel verlieh dem Gebiet weitreichende Bedeutung.
Hier entwickelte sich das bunte Erscheinungsbild, das heute als „Hallesche Kultur“ bezeichnet wird.

Die Kelten prägten den Namen der Stadt Halle (Stätte der Salzgewinnung) und des Flusses Saale (Salzfluss), wenn sich auch keine Spuren für eine keltische Siedlung belegen lassen.

Um 400 v.Chr., zum Ende der frühen Eisenzeit, verlor das Gebiet seine Bedeutung als Gewerbe- und Handelszentrum.

 

Nun dringen Germanen in das Siedlungsgebiet ein, die dem Giebichenstein – Fels des gebefreudigen Wotan – seinen Namen verleihen. Doch auch sie zogen weiter, von den Warnen im 3. Jahrhundert verdrängt.

Später wurde das Gebiet vom thüringischen Reich vereinnahmt, welches 531 Franken und Sachsen wieder zerschlugen.

Das kam den Slawen gerade recht, die nun den südlichen Teil der Salzstätte zu ihrem Handelszentrum erkoren. Sie begründeten eine Siedlung im Thal (ein Teil der heutigen Altstadt) und mindestens zwei der heute bekannten 4 Solebrunnen: den Gutjahrbrunnen (Dobrogara) und den Meteritzbrunnen.

Diesem Treiben setzte im Jahre 806 Karl der Große ein Ende. Zeitgleich vollendet sich der Zerfall der Urgesellschaft.

 

Bildquelle: © Marco Barnebeck / PIXELIO

 

 

Halle ist gestört

Wie ist Halle eigentlich zu seinem Salz gekommen?

Dies haben wir unserer Mutter Erde zu verdanken, die sich vor mehr als 65 Millionen Jahren auch in unseren Breiten noch recht heftig bewegte. Die Erdscholle, auf der sich später Halle entwickeln sollte, brach entzwei und der nordöstliche Bruch wurde mehrere hundert Meter über die südwestliche Bruchstelle erhoben. In Verbindung mit zahlreichen Erdbeben verschoben sich in den nächsten 30 Millionen Jahren die Bruchkanten und auf diese Weise wurden eigentlich viel tiefer liegende Gesteins- und Mineralschichten an die Oberfläche gedrängt.

Dieses recht lange währende Ereignis wird heute Halle-Verwerfung oder Hallesche Störung genannt.

Bildquelle: Geologisches Blockbild nach Herold 2001 (nach Wagenbreth / Steiner 1985)

Bildquelle: Geologisches Blockbild nach Herold 2001 (nach Wagenbreth / Steiner 1985)

 

Und die Verschiebungen führten dazu, dass die Soleschicht, die normalerweise mindestens 300 Meter tief im Boden liegt, auf etwa 30 bis 40 Meter Tiefe angehoben wurde. Das ermöglichte unseren Vorfahren die Förderung von Salz mithilfe von Brunnen.

Darüber hinaus bestimmt die Verwerfung deutlich die Siedlungsgeschichte Halles. Der Bruch beeinträchtigte den Lauf der Saale und ist somit Ursache für die günstige Flussüberquerung.

Auch auf das spätere Baugeschehen wirkt sich die Hallesche Störung aus, wie später zu berichten sein wird.

 

Bildquelle: Geologisches Blockbild nach Herold 2001 (nach Wagenbreth / Steiner 1985)

 

Die Jründung der Stadt

Es war emal e kleenes Nest
das Dobresol sich nannte
un das in Süd, Nord, Ost und West
e jeder Volksstamm kannte.

Vor üwer 1000 Jahren schon
jab’s dort an eener Stelle
wo jetz e Hofen Leite wohn’n
ne eejenartje Quelle.

Es hatte nämlich dazumal
e Schwein dort rumjefriemelt
un als es rauskam, denkt emal
war’s janz mit Salz begriemelt.

Erscht ham de alen Jerman’n jelacht
als eener dadran leckte
dann ham ses alle nachjemacht
un gugge da, es schmeckte.

Nu wurde lange simuliert
un denn mit pfiffjer Miene
da hatt der Heiptling kommandiert
„mer baun uns ne Saline“.

Se holten sich de Sole raus
aus dieser ulkjen Fitze
un wärklich wurde Salz dadraus
bei mächtjer Bullenhitze.

Wenn ihr nu denkt, die warn nich klug
da seid ihr falsch beraten
die hatten balde Salz jenug
for ihrn ejnen Braten.

Drum fassten se den Ratsbeschluss
nach vielen diskutieren:
„Mer ham an Salz en Üwerschuss,
drum kömmer exportieren.”

Nu brach bei den’n der Wohlstand aus
der Met floss unoffhehrlich
manch eener baute sich e Haus
da wurde es jefehrlich.

Der Futterneid, der rächte sich
die andern Völkerstämme
die jennten unsern Ahnen nich
das Salz uff ihrer Bemme.

Just kam uff eema üwers Land
der Genich anjeritten
fix sind se alle rinjerannt
um den ewas zu bitten.

„Herr Genich“, fing der Heiptling an
„sie ham keen blassen Schimmer
was mer hier durchzumachen ham.
Uns üwerfalln se immer!

Damit die schwere Gläche mer
in Ruhe könn’n verrichten
wolln mer an dieser Stelle hier
ne feste Stadt errichten.

Ne Mauer drum, ham mer jedacht
mit Tärmchen un mit Spitzen
un Wächtersch druff bei Tag un Nacht
solln unser Werk beschitzen.“

Das heerte sich der Genich an
dann tat er plötzlich lachen
un zu dem Heiptling sprach er „Mann,
wie willste das denn machen?

S’is zwar leichte hinjesacht
doch kosten tut’s e Hofen.
Wollt ihr die Lumpen, die ihr tracht,
for teires Jeld verkofen?“

Das kränkte nu die alen Hallorn
janz dichtj in ihrem Stolze
drum sprachen se: „Hochwohljeborn,
uns fehlt es nicht am Holze.

Da seht nur her soviel ihr wollt
denn Sole jibt’s in Massen
drum wird das Silwer und das Jold
nich uff sich warten lassen.“

Der Genich war nu richtj belehrt
er lachte nich mehr heenisch,
janz freindlich sprach er: „Also heert,
ich sache eich als Genich,

das mit der Stadt wird so jemacht
den Bau erlob ich jerne
un leichten soll bei Tag un Nacht
eich Sonne, Mond un Sterne.“

Nu freiten se sich wie de Errn
dass das so fix tat glappen
drum trachen Sonne, Mond un Stern
mer heite noch im Wappen.

Nu hieß das Salz doch damals Hall
drum riefen freelich alle:
„Mir als Hallorn uff jeden Fall
nenn’n unser Städtchen Halle.“

Verfasser unbekannt

Halle (Saale) – meine Heimatstadt

Wenn mich einer fragt: „Wo is’n das?“, dann antworte ich, dass Halle im Osten Deutschlands, in Sachsen-Anhalt und an der Saale hellem Strande liegt.

Wer jetzt noch gar nicht weiß, wo er Halle einzuordnen hat, muss in einen Atlas schauen.

Oder gleich ein Ticket lösen, denn Halle ist allemal eine Reise wert.

Die alte Dame hat nun 1.205 Jahre auf dem Buckel und weiß beredt von ihrer Geschichte zu erzählen.

Grund für die Besiedlung just dieses Fleckens war wohl der günstige Flussübergang, der schon früh als Handels- und Verkehrsweg genutzt wurde. Darüber hinaus boten Lehme und Löße günstige Bedingungen für landwirtschaftliche Nutzung.

Der Reichtum an Bodenschätzen sorgte für Wohlstand und nach und nach gewann der Ort an wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung.
 

Wieso heißt diese Stadt nun ausgerechnet Halle?

 
Der Name leitet sich von dem germanischen „Hal“ ab, was nach neueren Erkenntnissen wohl eher mit „Saline“ denn mit „Salz“ übersetzt werden kann.

In einer Ballade über die Gründung der Stadt heißt es:

„Nu hieß das Salz doch damals Hall
Drum riefen freehlich alle:
Mir als Hallorn uff jeden Fall
Nenn‘ unser Städtchen Halle.“

Und so ist es denn auch dem Salz zuzuschreiben, dass diese Stadt zu Wohlstand gelangte und trotz verwichener Blüte noch heute reich an Anekdoten, Märchen und Sagen ist.

Kommt mit auf meine Reise!

Eure

Katja

 

 

 

 

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